
Anfang September...
Anreise bei Sonne und 33°C
Bootsübernahme dann bei Regen und 16°C
Eine Woche am Boot bei meist kühlem und durchwachsenem Wetter. Kann das ein Traumurlaub werden?
Die Antwort lautet: JA!
Und: meine Frau Gitti hatte mit Wasser und Booten bisher überhaupt nichts „am Hut“. Kann das gut gehen?
Und auch diese Antwort lautet: JA!

Das Boot war eine Voyager 900e (Länge: 9,0m, Breite 3,0m, Gewicht 2750kg, 10kW/14Ps Elektromotor, 6 Solarplatten am Dach, Reichweite eigentlich unendlich). Wir fuhren die Solarplex. Mich persönlich erinnerte das helle und lichtdurchflutete Interieur mehr an unser Wohnmobil als an ein typisches Boot bei dem man ja konstruktionsbedingt zur Küche meist „in den Keller“ des Rumpfes steigt und Licht nur durch kleine Fenster eindringt.
Bei trüben Wetter verliessen wir den Bolter Kanal raus auf die Müritz und starteten mit 85% Akku Kapazität. Der Himmel war grau in grau und durch die 4 Windstärken verursachten einen ziemlichen Wellengang. Für das Boot war das kein Problem, für Gitti grenzwertig.
Nach der Überquerung der kleinen Müritz änderte sich die Szene. Das Wasser auf den Kanälen und kleinen Seen war meist spiegelglatt und das Boot lief ruhig, lautlos und abgasfrei dahin. Meine Frau war wieder glücklich.









Für die erste Nacht planten wir im Ort Mirow den kleinen Hafen von Ricks Bootsservice anzulaufen. Danach wollten wir in ruhigen Buchten ankern. Ole der Hafenmeister hat uns gleich beim Anlegen geholfen, man kam sofort mit anderen Bootsbesatzungen ins Gespräch, alle waren sehr nett und wir fühlten uns einfach willkommen. Auf dieses Gefühl wollten wir nicht mehr verzichten und so liefen wir jeden Abend einen Bootshafen an.

Natürlich nagte das Misstrauen an mir, und sicher ist schließlich sicher. Deshalb fütterte ich den Stromautomaten mit 7,00€ und tankte 7 kW nach. Um es vorweg zu nehmen, es war das letzte mal auf unserer Tour. Da immer wieder mal die Sonne durchkam und die PV Platten auch bei grauem Himmel Strom in den Akku „pumpen“ sind wir Abends teilweise mit 2-3% weniger Akkuladung auf der Uhr angekommen wie wir am Morgen gestartet sind. Bis wir nach einem gemütlichem Frühstück an Bord losgefahren sind, hat die Photovoltaik den Verbrauch oft bereits ausgeglichen.
Und der hat mich wirklich erstaunt: Wir sind meist mit 6-8 km/h lautlos durchs Wasser geglitten und dabei hatte der Motor eine Leistungsaufnahme von ca. 1500 - 2000 Watt - so viel wie ein Heizlüfter. Die Hydrodynamik des Bootes ist einzigartig. Für einen Neuling klingt das etwas langsam aber es ist die typische Geschwindigkeit der meisten Verdrängerboote in dieser Größe. Ohnehin darf man auf den Kanälen nicht schneller als 9 km/h fahren.

Geschwindigkeit: 8.3km/h bei 2,6kW Leistungsaufnahme am Motor
Trotz des bewölkten Himmels liefern die Solarzellen 463W (fast 20% => gelber Balken)
Und jetzt kommt’s: beim aktuellen Ladestand von 64% können wir so immer noch 7 Stunden und 9 Minuten weiter fahren!
Anfangs erwähnte ich das es eine kühle Woche war, aber es gibt bekanntlich nur schlechte Kleidung, kein schlechtes Wetter. Mit Segeljacke und Hose (Friesen-Nerz wie wir Bayern sagen) war es eine Freude draußen am Steuer zu stehen und die phantastischen Wolkenstimmungen und das wunderbare Licht, wenn die Sonnenstrahlen durchkamen, zu geniessen. Außerdem sorgte die Heizung unter Deck für kuschliges Wohlfühlen und Gitti versorgte mich mit heissem Kaffee.
Über den letzten Tag, die Rückfahrt auf der Müritz gibt es noch etwas zu berichten. Natürlich hatten wir wieder Windstärke 4, Wellen und Wind kamen genau entgegen. Hin und wieder sprühte sogar etwas Gischt übers Boot und Gitti hat sich unter Deck verkrochen. Jetzt musste ich natürlich mehr Gas geben und der Verbrauch kletterte auf 2600 bis 3000 Watt. Dies sind 50% der zur Verfügung stehenden Motorleistung. Das erstaunliche war, dass wir trotz Gegenwind immer noch mit 5-6 km/h unterwegs waren. Meine Frau war glücklich als wir des ruhige Wasser des Bolter Kanals erreichten und in den Heimathafen einliefen.
Wehmütig mussten wir uns jetzt von „unserem“ Boot verabschieden.

Es ist ein wunderschönes Revier und man erlebt vom Boot aus eine grandiose Natur die man, da man lautlos und abgasfrei unterwegs ist, auch nicht stört.
Damit Sie unserer Begeisterung auch wirklich Glauben schenken sei noch erwähnt das wir nach unserer Rückkehr sofort wieder fürs nächste Jahr gebucht haben, da Urlaub auf dem Wasser mit einem lautlosen umweltfreundlichen Boot die reinste Entspannung ist.
Abschliessend stellt sich mir in Zeiten der Klimakatastrophe noch die Frage, warum der Voyager 900e das einzige PV Boot ist. Es bleibt zu hoffen das viele diesem Beispiel folgen.
Text und Fotos: Uwe Scherner