Zweifellos ist eine Radtour bei traumhaftem Wetter durch die Natur ein Genuss. Fazit nach meiner ersten Erfahrung mit dem Wasserfahrrad, es ist noch zu toppen. Wir haben es, Oma 68 Jahre mit Enkel 14 Jahre, bei strahlendem Sonnenschein erlebt. Im Hafen von Rechlin lag es vor uns, immerhin 5.50 m lang mit Kajüte und als Antrieb ein Fahrradpedalsystem auf zwei Schaufelräder.

Beim ersten Blick auf die kleine Arche waren wir überrascht, dass an alles gedacht ist. Auf zwei großen Staukisten sind die Sitze montiert, die individuell zu verstellen sind. Auf Polstern sitzt man angenehm. In den Kisten ist Raum für Geschirr, den 10l Wassertank, Kocher, Schwimmwesten, Anker, Leinen und Seekarten. Das Sonnensegel bietet auf Wunsch Schatten. Der Clou ist die Kajüte. Sie bietet Platz für zwei Erwachsene zum Schlafen. Fächer für den Kleinkram sind da, selbst an eine kleine solarbetriebene Lampe ist gedacht. Es fehlt an nichts für eine Seefahrt. Man merkt, das Konzept wurde mit viel Liebe zum Detail entwickelt.

Nun aber Leinen los und in See stechen. Unter den neugierigen Blicken der umstehenden Bootsbesitzer legten wir das erste Mal ab. Beide Wasserradler lenken durch Vorwärts- oder Rückwärtstreten das Boot. Es ist wirklich leicht zu handhaben. Wir winkten entspannt den Zurückgebliebenen zu.

Kräftig in die Pedalen treten und Fahrt aufnehmen. Das Plätschern erinnert fern an Mississippidampfer.

Welch ein Tretspaß! Anfangs ging es für mich etwas anstrengender, aber nach kurzer Zeit war ich im Rhythmus mit meinem Enkel. Trotzdem bekam ich immer mal wieder von der Seite den eindeutigen Befehl zu hören: „Oma, Du musst mehr treten, wir verlieren sonst Kurs!“ Das wurde unter Gelächter zum geflügelten Wort. Der Enkel tonangebend und ich die willige Begleitung.

Auf der kleinen Müritz, ein Paradies für diese Fahrzeuge, waren wir der absolute Hingucker. Um uns herum die Freizeitkapitäne, die braungebrannt ihre Motorjacht steuerten, während die Familie in der Sonne brutzelte. Wir boten das ungewöhnliche Fotomotiv und Erstaunen, wie Oma mit Enkel durch Muskelkraft ihre Freude hatten. Nachdem wir im Bild festgehalten waren, hatten sie die Hände frei zum Winken. Beschaulich und trotzdem aktiv glitten wir entlang den Ufern der kleinen Müritz und das auch noch umweltfreundlich.

Bei einer Geschwindigkeit von ca 6 km/h erschließt sich die Natur sehr intensiv. Über uns das Rufen der Kraniche, die Haubentaucher und Blässhühner fleißig im Wasser. Es bleibt Zeit für Fotos, für Gespräche und, da man die Hände frei hat, schmeckt ein Brötchen aus dem Picknickkorb doppelt gut, es ist verdient.

Am ersten Tag waren wir 4 Stunden auf dem Wasser ohne die geringste Schwere in den Beinen, wenngleich wir für den folgenden Tag einen leichten Muskelkater befürchteten. Aber nichts! Fit nahmen wir gleich wieder von unserem innovativen Tretboot Besitz und strampelten los. Diesmal war mein Enkel mehr daran interessiert, Anlegemanöver zu probieren, um vom Boot aus ins Wasser zu springen. Buchten am Ufer waren schnell gefunden und ein Baum, an dem wir die Festmacherleine belegten. Natürlich fand er es spannend, auch mal den Anker zu werfen wie ein echter Seemann. Das machte ihn stolz

Für uns Laien ist es kein Problem, mit dem Boot klar zu kommen. Die große Stabilität, die einfache Bedienung und der geringem Tiefgang machen Fahren und Anlegen zum Kinderspiel. Eine bequeme Teleskopleiter an der Heckplattform lässt Oma leicht ins Wasser kommen. Das weiche, klare Wasser, die Idylle alleine zu sein, sich oben auf dem Kajütendach im Sonnenschein wieder aufzuwärmen und sich ungeniert in der Kajüte umkleiden zu können, muss man erleben. „Lütt Hütt“ bietet unerwarteten Komfort auf kleinstem Raum.

Im Sommer stelle ich mir das Übernachten in der Kabine auf dem kuscheligen Bett 200x140 cm mit bequemen Polstern romantisch vor. Ich geriet schon ins Träumen: Man müsste noch mal 20 sein.....

Wir nahmen beide am letzten Abend ungern Abschied. Wir hatten Abenteuer pur erlebt, voll mit schönen Erinnerungen. Es ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich mir Lütt Hütt mieten werde. Dann nehme ich mir mehr Zeit, werde Mirow und Reinsberg über Wasser als Ziel meiner Tretaktivitäten ansteuern. Ich bin ja unabhängig, habe „Küche und Bett“ bei mir und die eigene Muskelkraft, die mich trägt, so weit ich möchte.